Unter dem Dach des Hohner Akkordeon Orchesters arbeiten fünf
Orchester, in denen etwa 200 Personen im Ensemble musizieren mit
wöchentlichen Proben. Was die einzelnen Orchester verbindet, ist die
Liebe zur Harmonika mit ihren vielen Klangfärbungen und
Möglichkeiten, die Freude an der Musik, die mit dem Akkordeon
möglich ist, das ständige Üben und Lernen zu Hause und das
Zusammenspiel mit Kollegen und auch mit anderen Instrumenten.
Schließlich ist das Akkordeon ein Instrument, das man auch alleine
spielen kann. Die Leichtigkeit des Spielens und die Fingerfertigkeit
sind Übungssache, das Gefühl für Melodie und Harmonie erfordert
Einfühlungsvermögen, das man, einmal erkannt und erworben, nicht
mehr verlieren kann - ein Leben lang.
Die Stadthalle war am Sonntagnachmittag voll besetzt.
Vorsitzender Jürgen Auer begrüßte unter den Ehrengästen besonders
Oberbürgermeister Gustav Schrank und seine Ehefrau Margret,
Ehrenbürger Dr. Kurt Buchter, die Vertreter der Vereine, Banken,
Schulen und viele Zuhörer auch von außerhalb, vor allem die Eltern,
Großeltern, Onkel und Tanten der mitwirkenden Kinder.
Die fünf Orchester des Vereins bieten allen Altersstufen eine
breite Palette zum gemeinsamen Musizieren. Das Herbstkonzert des
Hohner Akkordeon-Orchesters Hockenheim ist traditionell. So kann man
feststellen, welche Fortschritte Orchestermitglieder und auch
Dirigenten gemacht haben. Besondere Bedeutung kommt der
Literaturauswahl zu. Gespielt werden Stücke, die ankommen, die
neuerdings bekannt geworden sind und vor allem Harmonien, die
mittlerweile allen ins Ohr gehen.
An den Anfang der Programmfolge hatten die Verantwortlichen die
"Handharmonika-Oldtimer" gestellt. Dieses Orchester feiert sein
zwanzigjähriges Bestehen. Es wurde gegründet vom Hockenheimer
Heinrich Greif für ehemalige Orchestermitglieder, die den
Probenstress im kleinen Orchester bevorzugen. Vier Frauen und ein
Mann aus der Gründerzeit spielen heute noch mit und erhielten dafür
Blumengebinde. Nach dem Tode von Heiner Greif hatte Otto Reuther die
Leitung übernommen. Seit vier Jahren folgte ihm Roland Söhner, der
das Herbstkonzert schwungvoll eröffnete mit "Freude für immer", dem
Marsch aus der Trossinger Akkordeonschule. Dann folge Waldteufels
Walzer "Der Schlittschuhläufer", sehr dynamisch vorgetragen, wie
auch Horst Jankowskis Ohrwurm "Eine Schwarzwaldfahrt".
Sonja Eichelbergers Arbeit mit rund 20 Kindern ist erfolgreich.
Darüber freute man sich bei den Charakterstücken "Eine Insel mit
zwei Bergen" und "L'Aventure". Die fleißigen Kindern hatten gut
geprobt und zeigten sich gut geführt.
Den Dirigentenstab beim Jugendorchester hat seit einiger Zeit
Kerstin Reble übernommen, die wie auch Sonja Eichelberger, aus dem
ersten Orchester kommt. Die "Pop Ballad" wurde begeistert
aufgenommen wie auch Jacques Offenbachs "Can Can" in modernem
Arrangement.
Eine der wirksamsten Aufführungen im Konzertprogramm war der
gemeinsame Auftritt der Handharmonika-Oldtimer, des Jugendorchesters
und des 1. Orchesters unter der Leitung von Kerstin Reble mit
zusammen 35 Spielern bei der Märchen-Sinfonietta, einer
Originalmusik für Akkordeonorchester in vier Sätzen mit "Kalif
Storch", "Aschenputtel", "Das tapfere Schneiderlein" und "Hans im
Glück" von Rudolf Wörthner. Dazu agierten etwa 15 Kinder des
Kiddy-Orchesters, farbenprächtig kostümiert und lautmalerisch
unterstützt durch die Konzertmusik der Akkordeons. Als Märchenonkel
hatte Jürgen Bienroth, dessen schauspielerische Fertigkeiten man aus
vorhergehenden Konzerten kennt, die erklärende Ansage. Die Musik
ging jedermann ins Ohr und die ungezwungenen Darstellungen der
Kinder sind ein bleibendes Erlebnis. Das zeigte auch der begeisterte
Beifall des Publikums.
Die zweite Konzerthälfte wurde gestaltet zunächst vom 2.
Orchester unter der Leitung von Roland Söhner, der ausgezeichnete
Solisten in den Reihen hat. Zunächst erklang die feinfühlige Studie
"Kirmeszauber" und dann Elgars "Circumstances", beide Stücke vom
Dirigenten selbst arrangiert. Schließlich hatte man seine Freude an
Evergreen-Melodien aus den USA, die alle längst im Repertoire der
deutschen Volksmusik ihren festen Platz einnehmen mit "Twilight
Time".
Der Auftritt des 1. Orchesters geht in die musikalische
Geschichte der Stadt Hockenheim ein. Zunächst erklang die Rhapsodie
"Espana" nach einem Arrangement von Würthner und dann "Skyline".
Schließlich das "Supertramp"-Medley mit vier Stücken, die aus den
80er Jahren noch in bester Erinnerung sind.
Der Dirigent Volker Weinkötz hat den Mitgliedern des 1.
Orchesters ein perfektes Jazzfeeling geimpft.
Er ist ein Spitzenmusiker, der auch die Gabe hat, die wichtigsten
Akzente zu übermitteln. Davon wurden alle Zuhörer überzeugt bei
"Take Five" nach dem Arrangement von Ralf Schwarzien. Dazu muss man
erst einen Dirigenten finden, der sich daran wagt und der über
Solisten und Spieler verfügt, die so viel technisches und
musikalisches Können besitzen. Ein Lob auch für die Solisten, die
sich leicht und spielerisch einfügten. Das Stück ist reif für die
Medien. Es gibt mit Sicherheit nur wenige Orchester, die Gleiches
bieten können. Als Zugaben schließlich noch "Valse Susette" und
"Sligh Ride" von Leroy Anderson. Damit wurde auch St. Nikolaus,
dessen Fest in Kürze ansteht, angekündigt.
Das Hohner Akkordeon-Orchester Hockenheim ist derzeit auf der
höchsten Leistungsstufe, und man kann dem Verein und der Stadt zu
einem solchen Orchester nur gratulieren.